Heiterkeitsausbrüche und Melancholie

Die Vegesacker Lesebühne, sie hat sich etabliert. So kamen nach der Sommerpause am Dienstag nicht nur zahlreiche Zuhörer, es waren auch vier
neue Autoren mit von der Partie: Antje Aber, Eckhard Bartkowski, Christiane Kromp und Marcus Haas (von links). MES·FOTOS: IRIS MESSERSCHMIDT
„Lesebühne“ im Fährhaus am Utkiek startet nach der Sommerpause gleich mit vier neuen Autoren
von Iris Messerschmidt (Norddeutsche 22.09.2011)
Vegesack. „So haben wir es gerne, die Sommerpause ist vorbei und die Bude ist voll.“ Freudestrahlend begrüßte Initiatorin Rita Apel die Gäste zur ersten Lesebühne nach der Sommerpause. Tatsächlich hatten sich im Fährhaus am Utkiek zahlreiche Zuhörer eingefunden, bis auf den letzten Sitzplatz war die obere Etage gefüllt. Das gefiel auch den vier Autoren, die am Dienstag erstmals während der Lesebühne in Vegesack antraten.
Ganz so unbekannt war gleich die erste Autorin nicht. Antje Aber war schon diverse Male als Zuhörerin der Aktion „Leser an der Weser“ gesichtet worden. Dies zumindest bestätigte die Organisatorin Rita Apel gleich zur Begrüßung und gab noch weitere Details preis: Während der Grünkohl-Tour der Lesebühne-Akteure hatte Antje Aber nämlich ebenfalls zur Unterhaltung beigetragen, mit ein paar Auszüge aus ihren Gedichten. Allerdings nur so ganz nebenbei und spontan. Rita Apel lässt allerdings in den Fällen spontaner „Talent-Entdeckung“ nicht locker und bot nach eigenem Bekunden Antje Aber schon mehrfach das Fährhaus als Bühne an. Am Dienstag war es endlich soweit; Antje Aber traute sich, erstmals ihre Gedichte öffentlich dem Lesebühne-Publikum vorzustellen. „Zehn Minuten dauern aber ganz schön lange“, stellte Antje Aber erstaunt fest, nachdem schon fast die Hälfte ihrer Kurzgedichte zu Gehör gebracht war. Ihr sanfter Einstieg mit melancholisch-nachdenklichen oder hintergründig ernsten und lustigen Gedichten sollte noch weitere fünf Minuten in Anspruch nehmen, manchmal unterbrochen mit Hinweisen der Autorin, in welcher Situationen das jeweilige Gedicht entstanden sei. Das führte nicht selten beim wiederholten Vortrag
zum besseren Verständnis.
Interview nach Loriot
Schon kurz darauf sahen die Gäste sich einem Höhepunkt des Lesebühnen-Abends gegenüber: dem Auftritt von Hildegund Bachkötter-Brömmle & Co. Als „Co.“ fungierte in diesem Fall die Lesebühnen-Initiatorin Rita Apel höchstselbst. Inspiriert vom „Loriot-Abend“ eine Woche zuvor hatte sich Hildegund Bachkötter-Brömmle einem Text gewidmet, der das Interview zwischen der Radio-Bremen-Moderatorin Frau Schmoller (Rita Apel) und der mit dem Blaukreuzer-Orden am Bande ausgezeichneten Dr. Bratzbiegel-Kubenstötzel (Hildegund Bachkötter-Brömmle) wiedergab. Schon die Einstiegs-Erläuterungen von Bachkötter-Brömmle zu einem dramatischen Werk mit psychologisch weitblickender Tiefsicht“, bereitete die Zuhörer auf die spätere Interview-Situation der beiden Protagonistinnen
vor, die oftmals von den Lach-Attacken der Gäste begleitet wurde. Dr. Bratzbiegel-Kubenstötzel („Ich stamme aus einer traditionsreichen Alkoholikerfamilie
in fünfter Generation“) war der Blaukreuzer-Orden am Bande nämlich wegen ihrer Erfindung des kelchlosen Glases („nur Stil und formschöner Fuß“) verliehen
worden. Dazu gehörte auch die bodenlose Flasche („Ein bodenlos bestechendes Design und nur im Set mit kelchlosem Glas erhältlich.“). Die Flasche mit dem leichtgängigen Schraubverschluss – so klärte sich im Interview – sei auch gerade für den fortgeschrittenen, bewegungsgestörten und mit zitternden Händen ausgestatteten Alkoholiker gut geeignet, („insbesondere für den, der sich noch nicht auf dem Trockendock befindet“). Spätestens zu diesem Zeitpunkt zeigten sich schon erste Lachtränen, da setzte der von Dr. Bratzbiegel-Kubenstötzel erfundene „Profilacktisch – für den professionellen Charakter des Wohnraums“
noch einen speziellen Abschluss. Mit Gedankenspielen zu Wolken am Himmel und einer spannenden Geschichte über einen mörderischen Nazi setzte Edelhard
Callies Akzente vor der Pause, bevor drei neue Autoren antraten. Christiane Kromp, Marcus Haas und Eckhard Bartkowski gehören im Übrigen einer Gruppe
an, die sich „Literanauten“ nennt. Drei ganz unterschiedliche Werke, eine Fantasiegeschichte, die sich mit Leben und Tod auseinandersetzt, von Christiane Kromp, ein Zweirad, das eine ganz ungewöhnliche Geschichte nimmt von Eckhard Bartkowski und gleich doppelt tiefschwarzer Humor von Marcus Haas: das Ende einer Ehe und ein Auftragskiller unterwegs mit seinem Azubi. Die Reaktion der Publikums auf den „tollen Abend“ war von viel Applaus geprägt. Die nächste Lesebühne wartet schon: 18. Oktober, 19.30 Uhr.











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