Ruf nach größerer Umweltzone

Quelle: Weser-Kurier Stadtteilbeilage, Andreas Becker

SCHWACHHAUSEN. Ob in Bremen jährlich rund 180 oder sogar mehr als 500 Menschen an den Folgen von Feinstaub sterben, konnte nicht abschließend geklärt werden. Ansonsten bekamen die Zuhörer am Montagabend auf Einladung der SPD Schwachhausen alle wichtigen, aktuellen Informationen zum Thema Umweltzone serviert. Fazit nach rund 90-minütiger Diskussion: Die Einrichtung einer Umweltzone wird von vielen befürwortet, ist aber in der Bevölkerung umstritten.

Auch für Sabine Walter aus Schwachhausen ist es ein zwiespältiges Thema: „Ich bin etwas unentschlossen, weil ich mir noch nicht vorstellen kann, was das für die Anwohner bedeutet. Beispielsweise, was die Kosten angeht. Ich finde es aber gut, dass man versucht, die alten Fahrzeuge mit hohem Schadstoffausstoß und Lkw auszusperren. Allerdings muss man auch an diejenigen Leute denken, die sich kein neues Auto leisten können.“ Über eine Ausdehnung der Zone nach Schwachhausen habe sie sich noch keine Meinung gebildet. „Ich weiß nicht, welche Konsequenzen das hätte“, sagt Sabine Walter.

„Grundsätzlich gut“ findet Marcus-André Schlichting die Umweltzone, allerdings seien noch etliche Fragen offen, beispielsweise, ob der Beiratsbeschluss vom Januar berücksichtigt werde, die Hermann-Böse-Straße, die Graf-Moltke-Straße und den Stern in die Umweltzone aufzunehmen.

Als „eiserner Befürworter“ einer Umweltzone bezeichnet sich Ulrich Straub aus der östlichen Vorstadt. Er plädiert für eine Ausdehnung der Umweltzone nach Westen in Richtung Walle und Findorff. „In jedem Fall sollte man das Klinikum Mitte einbeziehen“, fordert er. Auch für Jens Dennhardt, umwelt- und energiepolitischer Sprecher der SPD-Fraktion in der Bremischen Bürgerschaft, der gemeinsam mit seinem Parteifreund Rainer Hamann, Schwachhauser Mitglied der Bremischen Bürgerschaft, durch den Abend führte, ist die Einrichtung einer Umweltzone eine „unbedingt erforderliche Maßnahme“.

Offen sei nur noch ihre Ausdehnung. In diesem Zusammenhang weist Dennhardt die Kritik von CDU und Handelskammer an den Plänen zurück. Angesichts der nachgewiesenen Schädlichkeit von Feinstaub und Stickoxiden seien Gegenmaßnahmen dringend nötig. „Der größte Widerstand kommt zurzeit von den gewerblichen Nutzern, die allerdings auch den größten Schadstoffausstoß haben“, bilanzierte Dennhardt. So hätten Lkw, die der Euro-1-Norm entsprächen, einen 20 Mal höheren Schadstoffausstoß als ein Transporter mit Euro 4. Würden keine Maßnahmen ergriffen, gäbe es in Bremen im Jahr 2010 zehn Belastungszonen für Feinstaub und 27 für Stickoxide. Allerdings sei die Einrichtung einer Umweltzone nicht ausreichend, um die EU-Normen zur Schadstoffbelastung zu erfüllen.

Die wichtigste Aufgabe sei nun, die Umweltzone in der Bevölkerung zu verankern. „Wir brauchen eine breite Mehrheit, damit die Umweltzone nicht bei jeder Wahl auf der Kippe steht“, betont der umweltpolitische Sprecher. Viele Bürger fühlten sich ungerecht behandelt, aber die Maßnahme sei unumgänglich. Deshalb sei ab Herbst ein „weicher Einstieg“ geplant, um die Akzeptanz zu erhöhen.In der anschließenden Diskussion wurde betont, dass die Umweltzone auf die Graf-Moltke-Straße und die Schwachhauser Heerstraße ausgedehnt werden müsse. Dort sei die zweithöchste Belastung in ganz Bremen zu verzeichnen. „Wenn das nicht durchgesetzt wird, hat der Stadtteil verloren“, hieß es einhellig.

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